{"id":1756,"date":"2009-11-05T18:32:51","date_gmt":"2009-11-05T16:32:51","guid":{"rendered":"https:\/\/acureus.com\/?p=1756"},"modified":"2009-11-08T18:08:52","modified_gmt":"2009-11-08T16:08:52","slug":"rechtsradikale-wirtschaftspolitik-ist-das-jetzt-in-mode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.acureus.com\/?p=1756","title":{"rendered":"Rechtsradikale Wirtschaftspolitik &#8212; ist das jetzt in Mode?"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Rechtsradikal&#8220; definiert sich &#8212; zumindest, soweit ich das verstanden habe &#8212; durch den Wunsch nach einer asymmetrischen Politik, die bestimmte Nationen\/&#8220;Rassen&#8220;\/Kulturen\/Religionen bevorzugt bzw. benachteiligt, ohne, dass eine allgemein anerkannte Begr\u00fcndung f\u00fcr diese Politik vorliegt.<\/p>\n<p>Viele \u00c4u\u00dferungen von Globalisierungsgegnern und auch mancher &#8222;linker&#8220; Politiker halte ich laut dieser Definition f\u00fcr rechtsradikale Wirtschaftspolitik. Im Folgenden m\u00f6chte ich das am Beispiel eines ausgesprochen typischen, globalisierungsfeindlichen Textes illustrieren.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.deutschland-debatte.de\/2009\/01\/29\/\">http:\/\/www.deutschland-debatte.de\/2009\/01\/29\/<\/a><\/p>\n<p>Es handelt sich um den dritten Teil eines Artikels, der mehrere wirtschaftliche Probleme behandelt, wie beispielsweise Staatsverschuldung und das mangelnde Qualit\u00e4tsbewusstsein. Eigentlich ein guter Ansatzpunkt.<\/p>\n<p>Als zentrales Thema wird dann die Globalisierung diskutiert. Als Beispiel wird ein Zahnrad gew\u00e4hlt, das in Vietnam billiger hergestellt wird als in Deutschland. Durch diesen Unterschied w\u00e4ren in einem globalisierten Markt deutsche Hersteller nicht konkurrenzf\u00e4hig, was zu Preis- und damit Lohnsenkungen bzw. Unternehmensschlie\u00dfungen f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Was nun als L\u00f6sung und Feindbild angeboten wird, ist haarstr\u00e4ubend: da Entwicklungsl\u00e4nder zu billig produzieren k\u00f6nnen, sollen sie mit Hilfe von politischem Protektionismus vom EU-Markt abgetrennt werden. Begr\u00fcndet wird dieses Vorgehen damit, dass so hierzulande der Arbeitsmarkt unver\u00e4ndert bestehen bleiben kann. Weiterhin w\u00fcrden unsere Regulierungen eine h\u00f6here Qualit\u00e4t garantieren.<\/p>\n<p>Nun gibt es drei Punkte, die mich daran ziemlich st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Zum Einen ist das volkswirtschaftlich total daneben. Die Vorgehensweise ist theoretisch sowie empirisch als extrem sch\u00e4dlich f\u00fcr das Gesamtsystem bekannt: theoretisch, da es einer Handelsblockade entspricht; empirisch, weil es zahllose Kommunisten ausprobiert haben. Das gilt ebenfalls f\u00fcr den Qualit\u00e4tsgedanken. Wenn qualitative Verbesserungen von Produkten am besten durch den staatlichen Regulierungshammer zu erreichen w\u00e4ren, so m\u00fcssten DDR-Autos ja wahre Qualit\u00e4tswunder sein. F\u00fcr den Theoretischen Vergleich k\u00f6nnte ich jetzt einmal \u00fcberdenken, wie gut Evolution ohne Vielfalt funktionieren w\u00fcrde, aber da wird eine n\u00e4here Betrachtung bereits l\u00e4cherlich.<\/p>\n<p>Zweitens ist es eine pers\u00f6nliche Sch\u00e4digung der B\u00fcrger. Durch k\u00fcnstlich erh\u00f6hte Preise k\u00f6nnen auch diejenigen mit k\u00fcnstlich erh\u00f6htem Gehalt ihre Kaufkraft nicht vollst\u00e4ndig ausnutzen. Kauft man etwas im Ausland, ob per Versand oder auf einer Reise, muss man es verzollen; kauft man im Inland, so zahlt man die gek\u00fcnstelten L\u00f6hne der Anderen mit. Geh\u00f6rt man zu denen, die international konkurrenzf\u00e4hig w\u00e4ren, so wird man vom System daf\u00fcr bestraft, dass man in einem Land mit wirtschaftlichem Protektionismus lebt. Man ist die Melkkuh f\u00fcr die nicht konkurrenzf\u00e4higen Betriebe der Umgebung. Gleich doppelt, da effiziente Betriebe mehr Gewinn abwerfen und deshalb ohnehin schon \u00fcberproportional h\u00f6her besteuert werden &#8212; aber das ist ein anderes Thema.<\/p>\n<p>Womit der dritte Punkt an der Reihe ist, und wir zur\u00fcck beim Titel: der Plan ist ausgesprochen unmoralisch. Der Plan ist nationalistisch in einer Weise, die Schaden an der eigenen Umgebung akzeptiert, solange die Anderen mehr Schaden erleiden. So wird in zwei Grafiken des Artikels erkl\u00e4rt, was in der Globalisierung passiert: das Vietnamesische Zahnrad wird statt dem Deutschen verkauft, die Entwicklungsl\u00e4nder gleichen ihren Reichtum an den der Industriel\u00e4nder an. Das kommt uns ja mal gar nicht in die T\u00fcte! Drecks Vietnamesen, sollen doch bleiben, wo der Pfeffer w\u00e4chst, mit ihrer ehrlichen Arbeit. Die nicht-deutschen oder eben nicht-EU L\u00e4nder, die Asiaten, die <strong>Anderen<\/strong>. Nur ein Deutscher hat das Recht, auf Kosten anderer Deutscher und der Binnen- und Weltwirtschaft Geld einzukassieren, das eigentlich einem Menschen in der dritten Welt zusteht.<\/p>\n<p>So, ihr Globalisierungsgegner, nennt mir jetzt bitte einen Grund, warum ich bei euerem Anblick nicht kotzen soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Rechtsradikal&#8220; definiert sich &#8212; zumindest, soweit ich das verstanden habe &#8212; durch den Wunsch nach einer asymmetrischen Politik, die bestimmte Nationen\/&#8220;Rassen&#8220;\/Kulturen\/Religionen bevorzugt bzw. benachteiligt, ohne, dass eine allgemein anerkannte Begr\u00fcndung f\u00fcr diese Politik vorliegt. Viele \u00c4u\u00dferungen von Globalisierungsgegnern und auch mancher &#8222;linker&#8220; Politiker halte ich laut dieser Definition f\u00fcr rechtsradikale Wirtschaftspolitik. 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