{"id":1883,"date":"2009-12-14T13:24:34","date_gmt":"2009-12-14T12:24:34","guid":{"rendered":"https:\/\/acureus.com\/?p=1883"},"modified":"2010-01-28T23:33:36","modified_gmt":"2010-01-28T22:33:36","slug":"wann-endet-unser-universum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.acureus.com\/?p=1883","title":{"rendered":"Wann endet unser Universum?"},"content":{"rendered":"<p><strong><em><span style=\"text-decoration: underline;\">Der Tod des Universums<\/span><\/em><\/strong><\/p>\n<p>In letzter Zeit hat mir der 2. Hauptsatz der Thermodynamik reichlich zu schaffen gemacht. Man kann aus ihm n\u00e4mlich schlussfolgern, dass das Universum eines Tages sterben wird \u2013 oder besser gesagt alles Leben darin. Auch ein intelligentes Wesen in diesem Universum kann sich nicht dagegen wehren. Egal was du tust, deine Nachfahren werden eines Tages aussterben. Krepieren. Verschwinden. Nicht mehr existieren. Und du kannst es nicht verhindern! Es wird unausweichlich ein Ende kommen.<!--more--><\/p>\n<p>Ich finde, das wirft doch ein paar philosophische Fragen auf. Zuerst m\u00f6chte ich aber doch mit einigen Details den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik hier vorstellen und versuchen zu erkl\u00e4ren, wie er mit dem Universum zusammen h\u00e4ngt.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><em>Der 2.Hauptsatz<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Ich zitiere ihn mal:<\/p>\n<blockquote><p>Es gibt keine Zustands\u00e4nderung, deren einzige Ergebnisse das Abk\u00fchlen eines K\u00f6rpers und das Heben eines Gewichtes sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>Fangen wir ganz vorne an: Was versteht man unter einer Zustands\u00e4nderung? Im Prinzip liegt eine Zustands\u00e4nderung immer dann vor, wenn sich etwas, nunja, ver\u00e4ndert hat. Wenn du also morgens Orangensaft aus einem Meter H\u00f6he in dein Glas sch\u00fcttest, dann war der Saft zuvor im Tetra-Pack und danach im Glas (oder auf dem Tisch, falls du nicht getroffen hast). Er hat dann seinen Zustand ge\u00e4ndert. Der 2.Hauptsatz sagt nun, dass, egal was du dir \u00fcberlegst, du kannst keine Maschine bauen, die deinen Orangensaft abk\u00fchlt und aus der daraus gewonnenen Energie ein Gewicht hebt. Der Springende Punkt hierbei ist die Behauptung, dass sonst nichts anderes passiert. Stell dir ein Dampfkraftwerk vor: du nimmst einen sehr hei\u00dfen K\u00f6rper (zum Beispiel interessantes Uran) und schmei\u00dft ihn zu deinem Orangensaft ins Glas (am Besten auch aus einem Meter H\u00f6he, dann macht\u2019s am meisten Spa\u00df). Der Saft wird sich erhitzen und anfangen zu kochen, bis er schlie\u00dflich verdampft. Den Dampf k\u00f6nntest du jetzt auffangen und eine Dampflokomotive damit antreiben. Wenn die Dampflokomotive dann auch noch bergauf f\u00e4hrt, haben wir folgendes gebaut:<\/p>\n<blockquote><p>Ein Uranblock k\u00fchlt sich ab. Dies ist eine Zustands\u00e4nderung. Die Dampflok f\u00e4hrt bergauf. Damit haben wir sie \u201cgehoben\u201d.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es passiert zudem aber noch etwas: die Lok hat sich auch erw\u00e4rmt (z.B. durch Reibung). Aber das ist doof. Deswegen m\u00fcssen viele Maschinen\/Kraftwerke gek\u00fchlt werden. Der zweite Hauptsatz sagt nun, dass man keine uran-getriebene Dampflok bauen kann, die nur den Berg hinauf f\u00e4hrt und sonst nichts weiter tut, d.h. insbesondere ist es nicht m\u00f6glich zu verhindern, dass sie sich erw\u00e4rmt!<\/p>\n<p>Wir haben also W\u00e4rme genommen, daraus Energie gewonnen (in Form der fahrenden Lok) und zus\u00e4tzlich W\u00e4rme transportiert (vom Uranblock auf die erw\u00e4rmte Lok). Es war uns also nicht m\u00f6glich, die W\u00e4rme des Uranblocks vollst\u00e4ndig in Arbeits-Energie zu wandeln. Eine andere Formulierung des zweiten Hauptsatzes w\u00e4re:<\/p>\n<blockquote><p>Die Umwandlung von Arbeit in W\u00e4rme ist irreversibel.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir k\u00f6nnen die Energie, die in W\u00e4rme steckt, nicht vollst\u00e4ndig nutzen. Und geht man jetzt davon aus, dass das Universum ein abgeschlossenes System ist (d.h. es gibt kein Nachbar- oder Eltern-Universum oder \u00c4hnliches), dann passiert folgendes: alle m\u00f6glichen Vorg\u00e4nge in unserem Universum erzeugen W\u00e4rme. Diese W\u00e4rme wird sich im Universum gleichm\u00e4\u00dfig verteilen (wenn du kalten und warmen Orangensaft mischt, dann entsteht eine Mischtemperatur im gesamten Glas). Lebewesen ben\u00f6tigen Energie. Energie kann man aber nur aus einer Temperaturdifferenz gewinnen. Bei konstanter Temperatur im gesamten Universum ist das nicht m\u00f6glich. Man spricht hier vom <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Heat_death_of_the_universe\">W\u00e4rmetod des Universums<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><em>Die Zielsuche<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Also kein Leben bis in alle Ewigkeit! Eigentlich schade, oder? Ich denke, viele Menschen leben, instinktiv oder auch bewusst, um Nachkommen zu zeugen und deren Fortbestand zu sichern. Aber wenn man sich dann \u00fcberlegt, dass sich das Universum eines Tages zerst\u00f6ren wird, dann erscheint mir pl\u00f6tzlich alles extrem ultra-sinnlos. Warum Kinder bekommen, wenn sie in 10^x Jahren dennoch sterben? Interessant ist under diesem Aspekt auch die Klimafrage: gibt es eine menschenbedingte Erw\u00e4rmung? Die Wahrheit ist unerheblich. Ob die Menschheit jetzt oder in Trilliarden Jahren ausstirbt, wo ist der Unterschied? Sollen wir Soldaten nach Afghanistan schicken? Wenn es keinen Gott gibt, dann ist die Entscheidung total belanglos. Semesterticket einf\u00fchren? Blumen gie\u00dfen? Dicke Party schmei\u00dfen? Selbstmord? Alles ohne langfristige Auswirkung.<\/p>\n<p>Wenn ich Buddhist bin und es nicht bis zum Ende des Universum-W\u00e4remtods schaffe aus dem Kreislauf der Wiedergeburten auszuscheiden, komme ich dann trotzdem ins <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nirwana\">Nirwana<\/a>? Wiedergeboren werden kann man dann ja wohl nicht mehr\u2026!<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><em>Der Mensch braucht ein Ziel<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Anzumerken ist, dass es keinen Beweis f\u00fcr den zweiten Hauptsatz gibt. Aber vielversprechende Hinweise. Au\u00dferdem w\u00e4re es ohne ihn theoretisch m\u00f6glich ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Perpetuum_Mobile\">Perpetuum Mobile<\/a> zu bauen (Maschine, die unendlich viel Energie erzeugt).<\/p>\n<blockquote><p>Nach dem gegenw\u00e4rtigen Stand der Physik ist allerdings offen, ob das uns bekannte Universum \u00fcberhaupt ein abgeschlossenes System ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die W\u00e4rmetod-Theorie ist nur eine von vielen Theorien, die das Ende des Universums beschreiben. Jedoch ist sie die, dir mir als erstes \u00fcber den Weg gelaufen ist. Ich empfehle dazu auch <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ultimate_fate_of_the_universe\">diesen Wikipedia-Artikel<\/a>.<br \/>\n<strong><em><\/em><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><em>Ein Ziel<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Es besteht also noch seeehr viel Hoffnung. Daher schlage ich vor, dass das n\u00e4chste Ziel der Menschheit sein sollte, Raumschiffe zu bauen um das Sonnensystem zu verlassen, bevor die Sonne die Erde in ca. 7 Milliarden Jahren verschlucken wird.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><em>Kein Ziel<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Als ich diesen Artikel bis hierhin geschrieben habe, habe ich ziemlich viel dar\u00fcber nachgedacht, was ich hier eigentlich schreibe. Vor allem ist mir eines dabei klar geworden: die Antwort nach der ich suche, ist die auf die Frage nach dem Sinn im Leben. Bislang lebte ich nach der Auffassung, dass oben genanntes Ziel, das Verlassen der Erde, ganz sinnvoll sei. Als mir klar wurde, dass es vielleicht physikalisch unm\u00f6glich sein k\u00f6nnte, dass die menschliche Rasse bis in alle Ewigkeit fortbesteht, wackelte mein Weltbild doch ein bisschen. Also habe ich den Blog-Eintrag erst mal bei Seite gelegt und musste nachdenken. Das Weltbild wackelte dann nur noch st\u00e4rker, bis es schlie\u00dflich einst\u00fcrzte. Ich musste \u00fcber die Bedeutung der Ewigkeit nachdenken. W\u00fcrde in einem endenden Universum ein globales Ziel f\u00fcr die Menschheit anders aussehen als in einem nicht-endenden Universum? Ich wei\u00df es nicht.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re von einer ewig existierenden Menschheit zu denken? Au\u00dfer der Existenz als solche ist das doch noch kein Ziel! Damit bin ich zu folgendem (vorl\u00e4ufigem!) Ergebnis gekommen: es gibt kein globales Ziel f\u00fcr die Menschheit. Dies wiederrum bedeutet aber auch, dass es v\u00f6llig unerheblich ist, ob es theoretisch m\u00f6glich ist die Menschheit unendlich lange leben zu lassen oder nicht!<\/p>\n<p>Und dann ist folgendes passiert: ich wurde durch eine strukturierte Ansprache \u00fcberredet, den Kompost raus zu bringen. Und dann bin ich durch den Schnee gestapft und habe mich einfach nur gefreut, dass es schneit! :-)<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Anmerkung:<\/strong><\/span>Ich wei\u00df nicht wie das rechtlich gesehen ist, wenn ich den Selbstmord als \u201cohne langfristige Auswirkung\u201d erw\u00e4hne. Daher: BITTE NICHT AUSPROBIEREN, DENN DU K\u00d6NNTEST DABEI STERBEN! Vielen Dank f\u00fcr den gesunden Menschenverstand. Das Ganze hier ist ein philosophisches Gedankenspiel.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tod des Universums In letzter Zeit hat mir der 2. Hauptsatz der Thermodynamik reichlich zu schaffen gemacht. Man kann aus ihm n\u00e4mlich schlussfolgern, dass das Universum eines Tages sterben wird \u2013 oder besser gesagt alles Leben darin. Auch ein intelligentes Wesen in diesem Universum kann sich nicht dagegen wehren. 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