{"id":2683,"date":"2010-08-24T15:45:19","date_gmt":"2010-08-24T13:45:19","guid":{"rendered":"https:\/\/acureus.com\/?p=2683"},"modified":"2010-08-24T17:05:32","modified_gmt":"2010-08-24T15:05:32","slug":"der-fd-disclaimer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.acureus.com\/?p=2683","title":{"rendered":"Der FD-Disclaimer"},"content":{"rendered":"<p>Aus gegebenem Anlass lasse ich mich mal dar\u00fcber aus, dass Dinge, die ich sage, immer wieder durch einen Banalisierungs-Filter laufen, bevor sie dann unpassend kritisiert werden. Das f\u00fchrt seit Jahren dazu, dass ich komplizierte Aussagen mit meist noch komplizierterem Unterbau nicht mehr von mir gebe. Es ist n\u00e4mlich schon fast unm\u00f6glich, dass sie nicht irgendjemand in irgendetwas umm\u00fcnzt, das man dann schlie\u00dflich gegen mich verwenden kann.<\/p>\n<p>Ganz besonders nervig ist, dass ich in solchen f\u00e4llen peinlichst aufpassen muss, mit wie vielen komischen Herangehensweisen man das Gesagte oder Geschriebene aufnehmen k\u00f6nnte. \u00dcbersehe ich eine, bin ich hinterher gezwungen, eine komplette Korrektur oder Erkl\u00e4rung, am besten bei Adam und Eva anfangend, zu fabrizieren.<\/p>\n<p>Also kommt hier der FD-Disclaimer f\u00fcr meine Texte, aber ganz besonders auch f\u00fcr Gesagtes. Beim Reden kann man n\u00e4mlich nicht dreimal \u00fcber jedes Wort nachdenken und daher ganz leicht mal ein Westerwelle-Schicksal erleiden. Da entwickelt das Gesagte dann ein munteres, so ganz und gar nicht beabsichtigtes Eigenleben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Es ist wichtig, zu unterscheiden, ob etwas so gemeint ist, wie es zuerst erscheint, oder nur so verstanden werden k\u00f6nnte.<\/strong> Sollte eine Mehrdeutigkeit bestehen, so ist es gut, das zuerst zu kl\u00e4ren. Danach kann man ja den Inhalt immer noch auseinandernehmen, der l\u00e4uft nicht weg. Bei der Unterscheidung, ob etwas vielleicht nicht so gemeint ist, wie es zuerst scheint, bitte ich, folgendes zu beachten:<\/p>\n<p><strong>Erstens: Ich bin kein Volldepp.<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Wenn ich eine Korrelation erw\u00e4hne oder impliziere, ist ihr Betrag nicht aus Prinzip 1.<\/strong> Beispiel: Wenn ich sage &#8222;Schwarze sind in den USA h\u00e4ufig kriminell&#8220;, meine ich NICHT &#8222;Schwarze in den USA sind alle kriminell&#8220;, &#8222;Schwarze sind Kriminell&#8220; oder &#8222;ich bin ein Nazi&#8220;. Eine andere Formulierung w\u00e4re: <strong>Meine Aussagen sind meist statistischer, nicht absoluter Natur<\/strong>.<\/li>\n<li><strong>Ich setze ein gewisses Weltverst\u00e4ndnis voraus.<\/strong> Wenn jemand ein Detailargument mit &#8222;Aber das hat der Sch\u00f6pfer beim Designen des Menschen sicher nicht so gemeint&#8220; kritisieren k\u00f6nnte, ist mir das v\u00f6llig egal. Wenn es jemand tut, bekommt er die Chance, mir ein paar Dinge zu erkl\u00e4ren. Zum Beispiel die Anzahl der Wirbel im Hals der Giraffe. Wenn er dann verwirrt ist, erkl\u00e4re ich gerne einmal ausf\u00fchrlich, warum ich das Argument nicht anerkenne. Wer nichts schl\u00fcssiges dagegen aufbringen kann, aber trotzdem mit dem Unfug weitermacht, l\u00e4uft Gefahr, von mir ignoriert zu werden. Meine an die Allgemeinheit gerichteten Formulierungen erhalten aus Zeitgr\u00fcnden keine Extra-Erkl\u00e4rungen f\u00fcr Dinge, die eigentlich jeder wissen sollte.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Zweitens: \u00dcberinterpretation nicht erw\u00fcnscht.<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Ich bin kein Super-Prophet. Und ich bin mir dessen bewusst.<\/strong> Wenn ich sage &#8222;Diese Sogenannten Klimaforscher machen da teilweise ziemlich dreckiges, unwissenschaftliches Zeug&#8220;, meine ich NICHT &#8222;Meine Glaskugel hat mir gezeigt, dass sich die globale Durchschnittstemperatur nicht erh\u00f6hen wird! Und alles, was irgendein Klimaforscher gesagt hat, ist Quatsch!!!!!11elf&#8220;<\/li>\n<li><strong>Aussagen beschr\u00e4nken sich auf sich selbst.<\/strong> Wenn ich sage, ein Beweis ist falsch, sage ich NICHT, dass die Aussage falsch ist, die er beweisen m\u00f6chte. &#8222;Statistische Analysen \u00fcber Gebete lassen vermuten, dass niemand auf sie reagiert&#8220; bedeutet NICHT &#8222;Es gibt keinen Gott, nach jedweger Definition!&#8220; oder &#8222;Beten schadet der Gesundheit&#8220;. Das Beispiel ist gleich doppelt beknackt, weil es &#8222;Ich bin kein Super-Prophet&#8220; ebenfalls verletzt. Hier noch ein destillierteres Beipiel: wenn ich sage, &#8222;Die Strahlungsdosis bei Magnetresonanztomographie ist doch vermutlich ziemlich hoch&#8220;, bedeutet das NICHT &#8222;MRTs sind doch sicherlich gesundheitssch\u00e4dlich&#8220;.<\/li>\n<li><strong>Nur, weil etwas relativ themafremdes in eine Aussage mit eingeschlossen sein k\u00f6nnte, ist es das noch nicht.<\/strong> Wenn ich in einer Diskussion \u00fcber B\u00fcrosoftware sage, &#8222;Windows, Office,  diese ganzen Microsoft-Produkte sind eigentlich totaler Schrott.&#8220;, dann  habe ich mich bei &#8222;diese ganzen&#8220; verplappert, und aus versehen MS  Research und das Programmiersprachen-Team beleidigt. Wer mich kennt,  wei\u00df, dass ich das nicht beabsichtige. Wenn er merkt, dass ein anderer Zuh\u00f6rer oder Leser meine  Aussage missversteht, w\u00fcrde ich mich sehr freuen, wenn er ein &#8222;Wie ich  dich kenne, meist du doch sicher nicht wirklich alle&#8230;&#8220; hinzuf\u00fcgt, um den Fehler auszub\u00fcgeln. Aber bitte nicht Haare spalten und dann ein zweiseitiges Dokument verfassen, wieso mein Satz b\u00f6se war, bevor ich die ein oder zwei fehlenden Worte nachreichen kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Trotz alledem bitte meckern, falls etwas mehrdeutig ist und\/oder widerspruchsw\u00fcrdig.<\/strong> Ich will ja diskutieren. Wo k\u00e4men wir hin, wenn alle stumm bleiben. Es geht nur um das *wie*: erst einmal Vernunft annehmen und nachfragen. Wenn sich dann herausstellt, dass tats\u00e4chlich etwas fragw\u00fcrdiges dahintersteht, ok\u00f6, Schlacht am Diskussionstisch! :P<\/p>\n<p>So. Uff. Bisschen hart zu lesen, dieser Blogeintrag. Naja. Wer die Anwendung \u00fcben m\u00f6chte: meine provokanteren Klima-Posts und die aktuelle Geschichte mit Twilight und der holden Weiblichkeit w\u00fcrden sich anbieten.<\/p>\n<p>Aber es w\u00fcrde mir auch absolut reichen, wenn die Menschen etwaige Vorurteile mir gegen\u00fcber nochmal sauber durchdenken w\u00fcrden, oder gegebenenfalls nachfragen, wie etwas gemeint ist. H\u00f6chtwahrscheinlich ist es ein weiteres der f\u00fcnf Fantastillionen an Missverst\u00e4ndnissen, die meine flapsigen \u00dcberbetonungen oder zu krassen Textverk\u00fcrzungen produziert haben. Oder aber, ich bin im Irrtum; das w\u00e4re dann eine Diskussion wert, die die Details explizit ausf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Achja. Ich finde, das hier genannte gilt nicht besonders f\u00fcr mich, sondern ganz allgemein. Wenn ich Diskussionen zuh\u00f6re, sehe ich oft sowas wie: A sagt etwas, B missversteht es und reitet auf seiner Version erstmal herum, ohne sichtbares Interesse daran, herauszufinden, was A eigentlich gemeint hat. Oder das Gegenst\u00fcck; A sagt etwas, B versteht es sofort, A l\u00e4sst sich aber nicht in seiner vierfach redundanten Erkl\u00e4rung unterbrechen. Diese Operationen verbrauchen bei vielen Diskussionen einen betr\u00e4chtlichen Anteil der Zeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus gegebenem Anlass lasse ich mich mal dar\u00fcber aus, dass Dinge, die ich sage, immer wieder durch einen Banalisierungs-Filter laufen, bevor sie dann unpassend kritisiert werden. Das f\u00fchrt seit Jahren dazu, dass ich komplizierte Aussagen mit meist noch komplizierterem Unterbau nicht mehr von mir gebe. 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