{"id":3966,"date":"2013-02-25T18:53:47","date_gmt":"2013-02-25T17:53:47","guid":{"rendered":"https:\/\/acureus.com\/?p=3966"},"modified":"2013-02-25T18:53:47","modified_gmt":"2013-02-25T17:53:47","slug":"was-ist-wenn-die-themen-zum-reden-ausgehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.acureus.com\/?p=3966","title":{"rendered":"Was ist wenn die Themen zum Reden ausgehen&#8230;?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left\">&#8222;Was ist wenn die Themen zum Reden ausgehen&#8230;?&#8220;<\/p>\n<p>Verschiedene Gr\u00fcnde waren der Ausl\u00f6ser daf\u00fcr, dass sich diese Frage in meinem Kopf gebildet hatte.<\/p>\n<p>Einerseits ist einer meiner gr\u00f6\u00dften \u00c4ngste in einer Beziehung (egal ob Paarbeziehung oder Freundschaft) das Auseinanderleben. Nicht unbedingt in dem Sinne, in dem man sich fremd wird, weil man sich nicht mehr um den anderen k\u00fcmmert oder keine Erlebnisse mehr teilt. Sondern in dem Sinne, eines &#8222;Kennens&#8220; des anderen, im Sinne des &#8222;Erwartens&#8220; von Verhalten, im Sinne der &#8222;Langeweile&#8220;, ob der Routine, die sich entwickelt.\u00a0Und zu dieser Angst vor Routine geh\u00f6rt auch irgendwie die Angst davor, nicht mehr Reden zu k\u00f6nnen. In dieser Hinsicht hat mich ein sehr kluger Ausschnitt eines \u00a0Textes von Max Frisch beeinflusst, der mir bis heute bewusst macht, wie wichtig es ist, sich bewusst zu werden \u00fcber seine &#8222;einfachen, vorgefertigen&#8220; Hypothsen, die jeder besitzt und mit denen man durch die Welt geht, mit denen man seinen Mitmenschen begegnet und mit denen man \u00fcber sie urteilt. Ich m\u00f6chte ihn euch nicht vorenthalten (der Text ist nicht unbedingt weiter relevant, falls es jemandem zu viel zum lesen ist ;-)):<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"LEFT\"><em>Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen k\u00f6nnen, wie er sei. Wir <\/em><em>lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen <\/em><em>h\u00e4lt, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen m\u00f6glichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, <\/em><em>wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt f\u00fchlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das N\u00e4chste, das <\/em><em>lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das <\/em><em>Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertigwerden; weil wir sie lieben, <\/em><em>solang wir sie lieben. Man h\u00f6re bloss die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als w\u00e4ren sie betrunken, sie <\/em><em>greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, <\/em><em>wie Gottes unersch\u00f6pfliche Ger\u00e4umigkeit, schrankenlos, alles M\u00f6glichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, <\/em><em>den man liebt \u2013 <\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Nur die Liebe ertr\u00e4gt ihn so. <\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Warum reisen wir? Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein f\u00fcr allemal, <\/em><em>damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben m\u00f6glich sei \u2013 <\/em><em>Es ist ohnehin schon wenig genug. <\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht <\/em><em>anders, als wir anzunehmen versucht sind \u2013 nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: <\/em><em>weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich ersch\u00f6pft hat, darum ist der Mensch fertig f\u00fcr uns. Er muss es sein. Wir <\/em><em>k\u00f6nnen nicht mehr! Wir k\u00fcnden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch <\/em><em>alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und entt\u00e4uscht, dass unser Verh\u00e4ltnis nicht mehr <\/em><em>lebendig sei. <\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>&#8222;Du bist nicht&#8220;, sagt der Entt\u00e4uschte oder die Entt\u00e4uschte, \u201ewof\u00fcr ich Dich gehalten habe.&#8220; <\/em><em>Und wof\u00fcr hat man sich denn gehalten? <\/em><em>F\u00fcr ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes R\u00e4tsel, das auszuhalten wir m\u00fcde geworden sind. Man <\/em><em>macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat. W<\/em><em>eil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich ersch\u00f6pft hat, darum ist der Mensch fertig f\u00fcr uns. Er muss es sein. Wir <\/em><em>k\u00f6nnen nicht mehr! Wir k\u00fcnden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch <\/em><em>alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und entt\u00e4uscht, dass unser Verh\u00e4ltnis nicht mehr <\/em><em>lebendig sei. <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"LEFT\">(Traurig, aber ernome Wirkung der Beschreibung der Zust\u00e4nde meiner Meinung nach (auch wenn ich nicht \u00fcbereinstimme \u00fcber die Wirkrichtung von Ende der Liebe und Erwartung &#8211; wer will, kann sich gerne mit mir dar\u00fcber unterhalten ;-); \u00fcbrigens: ich habe mittlerweile gelernt, dass Routine auch etwas sehr sehr sehr sch\u00f6nes sein kann &#8211; man muss gar nicht so viel Angst davor haben)<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Ein zweiter Grund daf\u00fcr, dass mir obige Frage im Kopf rumgeisterte, war eine erfrischende Erfahrung, die ich w\u00e4hrend meines ersten Studiensemesters in Erlangen machte:\u00a0all die Sachen, die ich in meinem Leben schon erlebt und\u00a0in Beziehungen erz\u00e4hlt habe, \u00fcber die ich mir\u00a0Gedanken gemacht habe, \u00fcber die ich diskutiert habe und bei denen ich\u00a0zu einem Fazit gekommen bin &#8211; all diese Sachen sind auf einmal wieder neu, wenn du Menschen kennenlernst, mit denen du diese Gedanken\u00a0noch nicht geteilt hast.\u00a0Die nat\u00fcrlich auch andere Ansichten haben. Bei denen aus\u00a0Diskussionen wom\u00f6glich\u00a0 ein anderes Fazit folgt. Menschen, mit denen du dich noch streiten kannst, \u00fcber Dinge, die dir davor offensichtlich erschienen. Eine wertvolle Erkenntnis, die ich aus dieser Zeit mitgenommen habe, l\u00e4sst sich banalerweise als Spruch auf einer Tasse zusammenfassen, die ich von meinen neuen, mir\u00a0bis heute ans Herz gewachsenen Freunden geschenkt bekommen habe:<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"LEFT\"><em>Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"LEFT\">Nun ist es so, dass meine Angst vor dem Auseinanderleben nicht heute entstanden ist und mein Studiensemester in Erlangen auch schon lange her ist. In letzter Zeit, ist mir aber traurigerweise bewusst geworden, wie schwer es mir f\u00e4llt mich\u00a0einfach nur zu unterhalten,\u00a0ohne dabei etwas anderes zu machen\u00a0\u00a0(zugegebenerweise nur in gr\u00f6\u00dferen Gruppen, aber wer wei\u00df, ob das nur der Anfang ist,&#8230;). Es geht mir nicht um Small Talk, den ich sowieso hasse und mit dem mir Begegnungen mit\u00a0manchen Menschen ziemlich sinnlos erscheinen.\u00a0Nein, es geht mir um tats\u00e4chliche Unterhaltungen mit Menschen, die ich liebe, sch\u00e4tze, mit denen ich auf einer Wellenl\u00e4nge bin und mit denen ich Interessen teile (Anmk.: f\u00fcr mich ist &#8222;lieben&#8220; der Begriff der starken Zuneigung zu Partner, Familie UND Freunden &#8211; wen das st\u00f6rt, der kann nach Belieben &#8222;lieb haben&#8220; draus machen). Es k\u00f6nnte sein, dass ich vielleicht m\u00fcde geworden bin, wenn es darum geht, &#8222;abgeschlossene&#8220; Themen aufzuw\u00e4rmen (schlie\u00dflich erwarte ich, dass der Gegen\u00fcber das \u00e4hnlich sieht, weil wir dar\u00fcber u.u. schon geredet haben; dieses versuche ich aber eigentlich im Sinne eines Lerneffekts vom Text von Max Frisch zu vermeiden). Mein Freund machte mich darauf aufmerksam, dass es daran liegen k\u00f6nnte, dass ich teilweise F2F-Gespr\u00e4che mit Personen f\u00fchre, und daher alles relevante, was mich besch\u00e4ftigt und \u00fcber das man (abends) in der Gruppe reden k\u00f6nnte, schon (tags\u00fcber) privat besprochen habe. Es k\u00f6nnte auch einfach sein, dass es keine anst\u00e4ndige Gespr\u00e4chskultur gibt, bei der tiefgehende Unterhaltungen aufkommen k\u00f6nnen. Oder aber es sind einfach zu viele Leute anwesend, als dass ein gemeinsamer Nenner gefunden werden kann. Wer wei\u00df&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Auf jeden Fall f\u00fchrte diese Erfahrung zu dem Zweifel, ob man sich denn in langen Beziehungen (und am Ende des Lebens!) \u00fcberhaupt noch etwas zu sagen h\u00e4tte. Wor\u00fcber unterh\u00e4lt man sich denn? Vornehmlich \u00fcber Erfahrungen, die man k\u00fcrzlich hatte (also auch Probleme). \u00dcber lang vergangene Erfahrungen hat man sich ja meist am Anfang der Beziehung ausgetauscht. Nun kann es aber nicht sein, dass man Beziehungen wegwirft, sobald man (die wichtigsten) vergangenen Erfahrungen ausgetauscht hat (zumindest ist das nicht mein Ziel; die Beziehungen, die ich in meinem Leben aufgebaut habe, sind das Wertvollste was ich &#8222;besitze&#8220;!). Bleiben also k\u00fcrzlich erlebte Erfahrungen, dazu geh\u00f6rt wohl auch die aktuelle Politik bzw. die aktuelle Lage der Menschheit; und: gemeinsame Interessen &#8211;\u00a0\u00a0aber gibt das denn genug her? Hat man das nicht auch irgendwann durch? Was ist wenn einem die Themen ausgehen?<\/p>\n<p align=\"LEFT\">&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Ich wollte vor allem meine Gedanken ordnen. Mein Freund beruhigte mich mit weisen Worten:<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"LEFT\"><em>Das ist wie mit der Musik. Da findet man auch immer eine neue Melodie. So wird es auch immer neue Themen geben. Im schlimmsten Fall f\u00e4hrt man durch die Welt, dann hat man genug neue Erfahrungen! Keine Sorge :-)<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"LEFT\">Damit w\u00e4re man wieder bei Max Frisch. Der hatte auch das mit dem Urlaub. Nur vielleicht aus anderen Gr\u00fcnden (ich habe eh Sorge, dass ich den Text v\u00f6llig falsch interpretiere :D aber Gott sei Dank sind wir nicht im Deutsch-Unterricht).<\/p>\n<p align=\"LEFT\">&#8230;Was meint ihr zu der Frage?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Was ist wenn die Themen zum Reden ausgehen&#8230;?&#8220; Verschiedene Gr\u00fcnde waren der Ausl\u00f6ser daf\u00fcr, dass sich diese Frage in meinem Kopf gebildet hatte. Einerseits ist einer meiner gr\u00f6\u00dften \u00c4ngste in einer Beziehung (egal ob Paarbeziehung oder Freundschaft) das Auseinanderleben. 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